CDU-Kreistagsfraktion greift Beschwerden wegen Änderung im Übergang zum Verkehrsverbund Calw auf – Beispiel: Ticket von Mühlacker bis Bad Wildbad teurer geworden – Landrat beklagt ablehnende Haltung des Landes – CDU: Verkehrsminister soll Rückkehr zur alten Regelung ermöglichen

Mühlacker/Enzkreis. Noch nicht gelungen ist es, die Nachteile im Übergang von den Verbünden Pforzheim/Enzkreis (VPE) und Calw (VGC) durch den neuen Landestarif zu beseitigen, ergab die Antwort von Landrat Bastian Rosenau auf ein Schreiben des Vorsitzenden der CDU-Kreistagsfraktion Enzkreis, Günter Bächle (Mühlacker). Der Kreisrat hatte Beschwerden aus Mühlacker aufgegriffen und gefordert, die Verteuerung für bisherige Bahn- und Bus-Nutzer zu beseitigen.

Für eine Fahrt mit Bus und Bahn von der Wohnsiedlung Heidenwäldle nach Bad Wildbad ab Mühlacker müsse man nun 11,70 Euro statt 7,70 Euro hin und retour für eine Tageskarte bezahlen, wobei sich eine Bahncard 25 kostensenkend ausgewirkt habe. Ohne Bahncard wären bisher rund 10 Euro fällig gewesen, legte der Fraktionssprecher dar. „Vorher löste der Fahrgast im Stadtbus Mühlacker eine Karte für die Zonen 60 und 53, die schlossen Bad Wildbad ein und konnten mit einem VPE-Ticket befahren werden. Doch Bad Wildbad ist nun nicht mehr mit VPE-Fahrkarten zu erreichen.“ Dies bedeute eine Tarifverschlechterung.

Die geschilderte Situation entspreche den Tatsachen, antwortete der Landrat laut Pressemitteilung der CDU-Kreistagsfraktion. Grund dafür sei die Einführung des Landestarifs (BW-Tarif) in einer ersten Stufe. Danach gelte seit 9. Dezember 2018 bei verbundübergreifenden Fahrten mit Einzeltickets und Tagestickets der BW-Tarif, der eine integrierte Start- und Zielanschlussmobilität im Busverkehr beinhalte.

Infolge der BW-Tarif-Einführung ist laut Landrat auf der Enztalbahn das VPE-Tagesticket nach Bad Wildbad weggefallen, welches bislang - anders als der Landestarif (BW-Tarif) - bei Fahrten aus dem VPE-Raum in den VGC-Raum bis zu den Schienenhalten Höfen, Calmbach und Bad Wildbad galt. Bei den übrigen Fahrscheinen, zum Beispiel den Monats- und Jahreskarten, sei es dagegen vorläufig bei den bisherigen Kooperationslösungen zwischen dem VPE und der VGC geblieben. Eine Reform stehe hier spätestens zur Einführung der zweiten Stufe des Landestarifs an, die für das Jahr 2021 geplant sei und dann alle Fahrscheinarten umfassen solle.

„Bereits vor Einführung des BW-Tarifs wurde bei verschiedenen Verkehrsrelationen im verbundübergreifenden Verkehr, wie beispielsweise im Enztal nach Bad Wildbad, eine mit dem Landestarif einhergehende deutliche Preissteigerungen gegenüber dem damaligen Status Quo ersicht-lich“, so der Landrat. „Die Preissteigerung war teilweise so deutlich, dass trotz der im BW-Tarif integrierten Anschlussmobilität eine fehlende Akzeptanz befürchtet wurde.“

Verwaltung, VPE und VGC (und in anderer Verkehrsrelation auch der Karlsruher Verkehrsverbund) hätten sich daher gemeinsam sehr intensiv beim Verkehrsministerium bemüht, die mit der Einführung des BW-Tarifs verbundenen Preissteigerungen zu vermeiden beziehungsweise eine preislich akzeptable Lösung als Ersatz für das entfallene VPE-Tagesticket zu finden, betont Rosenau. Im Ergebnis habe bis zur vollständigen Implementierung des BW-Tarifes die Einführung eines neuen Tagesticket Kombi Solo und Plus, zum Preis von 11,70 Euro für eine Person und 20,30 Euro für bis zu fünf Personen, erreicht werden können.

Im Verhältnis zu den Preisen des BW-Tarifs (Regio-X-Ticket für eine Einzelperson 18,90 Euro beziehungsweise 29,90 Euro für bis zu fünf Personen) sei dies als Erfolg zu werten, auch wenn das Tagesticket Kombi Solo beziehungsweise Plus etwas teuer als das damalige VPE-Tagesticket sei, aber immerhin preisgleich mit der KVV-Regio-Tageskarte.

Ungeachtet dessen bemühe sich der VPE weiterhin, Bad Wildbad wieder komplett in den VPE-Tarif zurück zu holen. Erste Verhandlungen mit dem Land sowie der Landestarifgesellschaft hierzu habe es bereits gegeben, letztlich müsse jedoch das Land zustimmen. Diskutiert werden solle diese Problematik im Zusammenhang mit der Einführung der Zeitkarten im Landestarif. „Vor diesem Hintergrund sehen wir allerdings leider derzeit keine Möglichkeiten, weitere preisliche Tarifverbesserungen zu erreichen.“

Die CDU-Kreistagsfraktion nahm diese Antwort zum Anlass, in einem Schreiben an den baden-württembergischen Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) zu fordern, dass sich das Land bewegt und der VPE sein Ziel erreichen kann.

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