CDU-Kreistagsfraktion mit ehrgeizigem Ziel für den neuen Nahverkehrsplan Pforzheim/Enzkreis: Fahrgastzahlen von Bussen und Bahn in den nächsten zehn Jahren verdoppeln – Klausur in Wimsheim zusammen mit Pforzheimer CDU-Stadträten

Wimsheim. Der öffentliche Nahverkehr im Enzkreis und in Pforzheim muss kräftig ausgebaut werden, auch um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. „Wir wollen die Fahrgastzahlen von Bussen und Bahn in den nächsten zehn Jahren verdoppeln“, fasste Fraktionsvorsitzender Günter Bächle das Ergebnis der mehr als dreistündigen Klausursitzung der CDU-Fraktion im Kreistag, zusammen mit Pforzheimer CDU-Stadträten, zusammen. Sie beschäftigten sich am Dienstagabend in Wimsheim mit dem in der Aufstellung befindlichen gemeinsamen Nahverkehrsplan. Referenten waren Axel Hofsäß, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Pforzheim/Enzkreis (VPE) und der Landesvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), Matthias Lieb.

Der Nahverkehrsplan soll noch vor der Sommerpause 2020 vom Kreistag und dem Pforzheimer Gemeinderat verabschiedet werden. Er ist auf zehn Jahre ausgelegt. „Er muss ambitioniert sein“, forderte Kreisrat Luca Prayon, Bürgermeister von Remchingen. Nach einer Mitteilung der Fraktion ist sie der Auffassung, dass es zunächst Aufgabe der Kreispolitik sei, ein Ziel vorzugeben. Aufgabe der Experten in Verwaltung und VPE sei es, dafür notwendige Maßnahmen auszuarbeiten und vorzulegen. Dazu gehörten auch die finanziellen Auswirkungen. „Die CDU-Fraktion hat mehrfach schon erklärt, dass sie bereit ist, höheren Ausgaben zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zuzustimmen“, sagte Fraktionssprecher Bächle.

Hier sei auch die Stadt Pforzheim gefordert, so Dr. Marianne Engeser, Vorsitzende der CDU-Fraktion im Pforzheimer Gemeinderat. Die Signale der Pforzheimer Verwaltungsspitze, so Hofsäß, seien wenig hoffnungsvoll. Die Aufstellung des Nahverkehrsplans sei in zeitlichen Verzug geraten, weil die Stadt erklärt habe, keine ausreichenden personellen Ressourcen zu haben und auch die Finanzmittel fehlten, die Angebote auszuweiten. Zudem habe die Stadtverwaltung den Finanzierungsschlüssel aufgekündigt, wonach die Stadt 40 und der Enzkreis 60 Prozent bezahlt. Die beiden CDU-Fraktionen erwarten in diesen Fragen dringend notwendige Fortschritte bei einem anstehenden Spitzengespräch von Stadt Pforzheim und Enzkreis, die den gemeinsamen Nahverkehrsplan aufstellen müssen.

Sowohl Lieb als auch Hofsäß verdeutlichten laut CDU-Mitteilung, dass beim öffentlichen Nahverkehr noch deutlich Luft nach oben sei. Beide hätten sich positiv geäußert zu dem Antrag der beiden CDU-Fraktionen, eine Machbarkeitsstudie für eine Stadtbahnverbindung vom Westen des Kreises, mit Anbindung in Ittersbach, durch Pforzheim und den südöstlichen Kreisteil bis zu einem Knotenpunkt mit der Stuttgarter S-Bahn zum Beispiel in Rutesheim zu schaffen. Derzeit machten die Busse im VPE-Gebiet 80 Prozent des öffentlichen Nahverkehrs aus, 20 Prozent die Schiene, so Hofsäß, während dieses Verhältnis beim Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) genau umgekehrt sei.

„Busfahren muss sexy werden“, sagte Kreisrat und Bürgermeister Martin Steiner (Birkenfeld). Hofsäß ergänzte, entscheidend sei auch beim Busverkehr Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Freundlichkeit der Fahrer. „Fahrpläne müssen konsequent verdichtet und vertaktet sein“, sagte Lieb, der von Stuttgart nach Wimsheim kam: Mit der S-Bahn bis Leonberg und dann weiter mit dem Bus nach Wimsheim, allerdings mit zehnminütiger Verspätung. Kreisrat Michael Schmidt gestand, mit dem Gedanken gespielt zu haben, mit dem Bus von seinem Wohnort Neulingen nach Wimsheim zu fahren: Doch eine Fahrzeit von einer Stunde und 37 Minuten bei einer halben Stunde Wartezeit in Pforzheim hätten ihn doch abgeschreckt und er habe sich dann in sein Auto gesetzt.

Eine Verdoppelung der Fahrgastzahlen könne nur gelingen, wenn neue Fahrgastgruppen gewonnen werden, sagte der VCD-Vorsitzende. Österreich und die Schweiz zeigten, dass dies möglich sei. Die Takte müssten so sein, dass sie den Menschen präsent sind, ohne in einen Fahrplan schauen zu müssen, wann der nächste Bus fährt. Er zeigte an einem Beispiel aus Bregenz, dass das möglich ist: Der ganze Fahrplan für eine Woche passt auf eine Din A 4-Seite. Der VPE mache den Fehler, sein Angebot auf die Stammkunden auszurichten und dies bei seit Jahren fallenden Fahrgastzahlen. „Wir brauchen einen öffentlichen Nahverkehr (ÖV) für alle.“ Die Pariser Klimaschutzvorgaben ließen sich nur mit einer Steigerung des Radverkehrs und der Verdoppelung des ÖV-Anteils erreichen.

Auch der VPE-Chef legte eine Liste von Maßnahmen vor, deren Umsetzung jedoch abhänge von der Finanzierung durch Stadt und Kreis. Dazu gehören die Abschaffung der Zonen und ein Einheitsfahrpreis, ein 15-Minuten-Takt der Busse auf den Hauptverkehrslinien in den Hauptnutzungszeiten, günstigere Tickets für Gelegenheitsfahrer, Fahrkarten per Handy auch zur Überwindung von Tarifgrenzen zu anderen Verkehrsverbünden. „Das Land muss sich auch bei uns finanziell engagieren und nicht nur beim VVS, dem Stuttgarter Verbund“, forderte Günter Bächle. „Was wir auslösen müssen ist eine Aufbruchsstimmung“, so das Fazit von Kreisrat Kurt Ebel (Remchingen).

Info: Präsentation von Matthias Lieb auf http://www.cdu-fraktion-enzkreis.de/download/

« CDU unterstützt Finanzkurs: Kreisumlagesatz soll gesenkt werden Enzkreis will Verbesserungen bei den Buslinien 700 und 702 zum 1. März umsetzen »